Rosa Schaffer
Die Rückkehr einer Wiener Ikone
Die Kulturgeschichte der Kosmetik ist reich an Legenden und Schönheitsrezepturen, an Salben in Apothekertiegeln, Puderquasten aus Seide und dem Versprechen ewiger Jugend. Schönheit war immer mehr als Eitelkeit – sie war Status, Ritual und vor allem Selbstermächtigung. Marken wurden zu Bühnen, Unternehmerinnen zu Ikonen und ihre Produkte zu Hoffnungsträgern in Tiegeln aus Glas und Porzellan. Und genau hier, im Wien der Jahrhundertwende, beginnt die Geschichte von Rosa Schaffer.
© Rosa Schaffer Wien um 1900 war ein Schmelztiegel der Moderne: Kunst, Architektur, Mode und Schönheit. Inmitten dieser pulsierenden Zeit baute eine Frau ein Kosmetikimperium auf, das über Jahrzehnte hinweg Maßstäbe setzte: Rosa Schaffer. Ihr Name prägte Zeitungsanzeigen, ihre Produkte galten als revolutionär, ihre Person als Sinnbild weiblicher Selbstermächtigung. Und doch verschwand sie beinahe vollständig aus dem kollektiven Gedächtnis. Bis jetzt.
Mit der Wiederbelebung der Marke Rosa Schaffer
holen Tanja Puschmann und Andreas Horatschek ein Stück Wiener Kulturgeschichte zurück – respektvoll, zeitgemäß und mit großer Leidenschaft.
Wie alles begann
Die Initialzündung war kein Businessplan, sondern Neugier. „Uns ist aufgefallen, wie viele kleine, traditionsreiche Geschäfte es in europäischen Städten gibt – und wir haben uns gefragt: Was haben wir eigentlich in Wien?“, erinnert sich Andreas Horatschek. Zurück in Wien begann eine intensive Recherche: alte Zeitungsarchive, Inserate, historische Verzeichnisse. „Wir sind mit der Suche bis ins 18. Jahrhundert zurückgegangen“, ergänzt Tanja Puschmann. „Und ein Name tauchte immer wieder auf: Rosa Schaffer.
Anzeigen, Berichte, Werbung – sie war omnipräsent.“
© Rosa Schaffer
Wer war Rosa Schaffer?
Rosa Schaffer eröffnete bereits Ende des 19. Jahrhunderts ein eigenes Geschäft im ersten Wiener Bezirk und war bald am Kohlmarkt – einer der prestigeträchtigsten Adressen Wiens - präsent. Die Blütezeit ihrer Kosmetikmarke lag zwischen 1891 und dem Ersten Weltkrieg. Über Jahrzehnte hinweg schaltete sie regelmäßig Inserate, entwickelte Pflegeprodukte, Schönheitsrituale und galt als „schönste Frau Wiens“ – nicht zuletzt, weil sie selbst das beste Testimonial ihrer Marke war.
„Was uns an Rosa Schaffer fasziniert hat: Sie war nicht nur Unternehmerin, sie war Erfinderin, Entwicklerin, Markenstrategin, Influencerin – lange bevor es diese Begriffe gab“, erläutert Horatschek. Die Suche nach Nachfahren führte die Gründer bis ins Landesarchiv und sogar auf den Wiener Zentralfriedhof. „Wir haben ihr Grab gefunden. Auch Hinweise auf Töchter – aber keine lebenden Erben“, erzählt Puschmann. Originalrezepturen existieren nicht mehr. Was geblieben ist, sind Zeitungsberichte, Werbetexte und Beschreibungen der Produkte.
„Man muss sich das wie ein Puzzle vorstellen“, erklärt Horatschek. „Welche Inhaltsstoffe waren damals üblich? Was wurde beworben? Was galt als innovativ? Daraus haben wir die Essenz abgeleitet.“ „Quecksilber oder aggressive Inhaltsstoffe, die damals en vogue waren,. kamen natürlich nicht infrage“, sagt Puschmann lachend. „Aber die Konzeption dahinter - Wirksamkeit, Pflege, Schönheit als Ritual - die ist zeitlos.“
© Rosa Schaffer Alle Produkte der Marke Rosa Schaffer werden in Österreich produziert, mit hochwertigen, modernen Inhaltsstoffen. Dabei gehen die Gründer so nah wie möglich an die historische Vorlage der Crème Ravissante heran. „‚Ravissante‘ war ein Begriff für etwas Erfrischendes, Belebendes. Wir haben ihn neu interpretiert – für heutige Hautbedürfnisse.“ Ein Highlight ist die Crème Viennoise , eine besonders leichte Fluidcreme, die für Extra Frische, Feuchtigkeit und ein pralles Hautbild sorgt.
Perfekt als Geschenk: Créme Rosin , eine herrlich nährende Handcreme im nostalgischen Tiegel, klein genug für jede Handtasche und reichhaltig genug für trockene, pflegebedürftige Hände.
© Rosa Schaffer
Design zwischen Jugendstil und Gegenwart
Auch visuell schlägt die Marke eine Brücke zwischen den Epochen: bernsteinfarbene Glastiegel, nostalgische Typografie, kombiniert mit klaren Linien. „Uns war wichtig, dass man Wien sieht – aber nicht museal“, sagt Puschmann. „Jugendstil, Otto Wagner, Historie und trotzdem modern.“
Hautpflege mit Sinn für Herkunft
„Unsere Kundinnen und Kunden interessieren sich dafür, woher ein Produkt kommt“, erklärt Puschmann. „Regionalität, Qualität, Geschichte.“ Die Marke richtet sich an eine bewusste Zielgruppe – von jüngeren Millennials bis zu klassischen Anti-Aging-Kund:innen. Aktuell umfasst das Sortiment aktuell vier Produkte, weitere sind geplant.
© Rosa Schaffer
Warum Rosa Schaffer heute relevant ist
Die
Geschichte von Rosa Schaffer ist heute relevanter denn je. Sie war eine
Frau, die sich in einer männerdominierten Welt behauptete – ganz
selbstverständlich. „Es ist keine aufgesetzte Emanzipationsgeschichte“,
sagt Horatschek. „Es ist einfach eine Erfolgsgeschichte.“ Und vielleicht
liegt genau darin ihre Aktualität: Schönheit als Kontinuität. „Die
Fragen sind heute dieselben wie vor 120 Jahren“, sagt Puschmann. „Wie
bleibe ich frisch? Wie fühle ich mich wohl in meiner Haut? Nur die
Antworten sind andere.“
Ein Stück Wien für die Welt
Langfristig wollen die beiden Gründer die Marke Rosa Schaffer als hochwertige, luxuriöse Wiener Kosmetikmarke international etablieren – mit starkem Storytelling, direktem Online-Vertrieb und vielleicht eines Tages wieder einem physischen Ort in Wien, vielleicht wieder am Kohlmarkt. „Es wäre schön, wenn man in ein paar Jahren sagt: Rosa Schaffer? Die war doch immer da“, sagt Puschmann. Und vielleicht ist genau das die größte Leistung dieser Wiederbelebung: Nicht nur eine Marke zurückzubringen, sondern eine Frau, eine Haltung und ein Kapitel Wiener Kulturgeschichte.
