Haut-Tagebuch statt Selfie-Check

Was Ihre Haut wirklich beeinflusst

Die Wiener App Foolproof Skin setzt nicht auf eine schnelle Momentaufnahme, sondern auf 30 Tage Beobachtung. Gegründet hat sie eine Hautforscherin der MedUni Wien, die selbst jahrelang mit Akne zu kämpfen hatte.

Foolproof Skin App© Foolproof Skin_Hammerer

Ein neues Serum, drei Wochen Anwendung und immer noch keine Antwort auf die Frage, ob es wirkt. Der Pickel genau vor dem wichtigen Termin. Eine Kopfhaut, die an manchen Tagen juckt und an anderen nicht. Die meisten Menschen kennen solche Situationen, und die meisten suchen die Ursache zuerst im Badezimmerschrank.

Das digitale Tagebuch für Haut und Haar© Foolproof Skin_Hammerer

Karoline Strobl hält das für zu kurz gedacht. „Jede Haut hat eine Geschichte“, sagte die Gründerin von Foolproof Skin beim ersten Presse-Event ihres Start-ups in Wien. Ihr Ansatz: Ein einzelner Tag ist nur eine Momentaufnahme. Erst über Wochen zeigt sich, was der Haut schadet und was ihr hilft. Das Problem: Die Haut reagiert nicht nur auf Produkte

Hautbild und Kopfhaut werden von vielen Faktoren gleichzeitig beeinflusst. Neben der Pflege zählen dazu Schlaf, Stress, Hormone, Ernährung und die Umwelt, also Klima, Luftfeuchtigkeit, UV-Belastung oder Luftverschmutzung. Wer nur das Produkt wechselt, übersieht die anderen Einflüsse. 

Dazu kommt: Was bei einer Person wirkt, kann bei der nächsten versagen. Allgemeine Empfehlungen aus dem Internet oder von Freundinnen helfen deshalb oft nicht weiter. Viele kaufen in der Folge ein Produkt nach dem anderen, ohne zu wissen, welches tatsächlich etwas bewirkt.

Die Lösung: ein digitales Tagebuch für Haut und Haar

Foolproof Skin ist eine Tagebuch-App für Haut und Haare. Sie sammelt Daten aus dem Alltag und sucht mithilfe von KI nach Zusammenhängen zwischen Symptomen, Pflege, Lebensstil und Umwelt. So funktioniert sie:

1. Der Einstieg: Bei der Anmeldung entscheiden Sie, ob Ihre Daten für die Forschung verwendet werden dürfen. Danach folgt ein Quiz zu Hauttyp, Problemen und Zielen. Hier legen Sie auch fest, welche Inhaltsstoffe Sie bevorzugen oder meiden und in welcher Preisklasse Sie einkaufen.
2. Das tägliche Tracking: Sie erfassen Symptome wie Unreinheiten, Trockenheit, Rötungen, Juckreiz, fettigen Ansatz oder Haarausfall. Dazu kommen die verwendeten Produkte sowie Faktoren wie Schlaf, Stress, Sport, Zyklus, Medikamente und Ernährung (derzeit über Lebensmittelgruppen).
3. Die Umweltdaten: Wetter, UV-Index, Luftfeuchtigkeit, Pollen und Luftqualität ergänzt die App automatisch. Dafür genügt die Angabe des Wohnorts. Für Luftverschmutzung hat das Team eine eigene Datenbank aufgebaut.
4. Die Auswertung: Nach mindestens zehn Tagen Tracking zeigt die App erste Zusammenhänge, sofern in dieser Zeit ein Symptom aufgetreten ist. Zuverlässig werden die Ergebnisse laut Strobl meist nach rund 30 Tagen.
5. Die Empfehlungen: Auf Basis der Daten schlägt die App Produkte und Routinen vor, markenunabhängig. Die Vorschläge lassen sich nach Händler filtern, eine Trennung zwischen Österreich und Deutschland ist in Arbeit.

Das Thema Haarausfall ist bereits integriert, gilt aber als schwierig. Zwischen Auslöser und sichtbarem Haarverlust liegen oft rund drei Monate. Schneller lassen sich kurzfristige Veränderungen wie Akne, trockene Stellen oder Rötungen zuordnen.

Die Gründerin: Forscherin mit eigener Akne-Geschichte

Hinter Foolproof Skin steht Dr. Karoline Strobl. Die Wissenschaftlerin hat an der Medizinischen Universität Wien promoviert und forscht dort als Postdoc in der Dermatologie. Ihre Dissertation widmete sie Hautentzündungen und Haarverlust, unter anderem der Frage, wie Krebstherapien Hautbarriere und Haarfollikel beeinflussen. 2024 erhielt sie dafür den Martha Schwarzkopf Award von Henkel in der Kategorie „Emerging Talents“.

Dr. Karoline Strobl forscht zu Hautentzündungen  und Haarverlust© Foolproof Skin_Hammerer

Die Idee zur App entstand aus eigener Erfahrung. Strobl hatte länger mit Akne zu kämpfen. Besonders schlimm wurde es, als sie die Pille absetzte und gleichzeitig in London lebte, mit anderem Klima und anderer Ernährung. Sie probierte zahlreiche Produkte aus, die nicht zu ihrer Haut passten, bis hin zu unverdünntem Teebaumöl. Vieles verschlimmerte die Situation. Zurück in Wien las sie sich in die Fachliteratur zur Hautpflege ein. Ihr Fazit: „Das muss einfacher werden.“ Ein Werkzeug, das ihr geholfen hätte, fand sie nicht. „Dann baue ich das für mich“, beschloss sie.

Warum die App einen Versuch wert ist

Online-Hautanalysen per Selfie bieten inzwischen viele Kosmetikmarken an. Ein Test der BEAUTY.at-Redaktion zeigte, wie unzuverlässig sie sein können: Dasselbe Gesicht wurde von verschiedenen Tools auf 35 bis 72 Jahre geschätzt. Die Tools sehen Dinge, die nicht da sind, etwa einen Schatten, und übersehen anderes. Foolproof Skin geht bewusst den umgekehrten Weg: Statt eines Fotos zählt der Verlauf über Wochen.

Daraus ergeben sich fünf konkrete Vorteile:

  • Persönliche Auslöser erkennen: Sie sehen, ob Ihre Haut eher auf ein neues Produkt, auf Stress, den Zyklus oder das Wetter reagiert.
  • Weniger Fehlkäufe : Ob ein Serum wirkt, lässt sich am eigenen Verlauf ablesen, statt nach Gefühl zu entscheiden.
  • Markenunabhängige Empfehlungen : Die App schlägt Produkte nach Bedarf, Inhaltsstoffen und Budget vor, nicht nach Marke.
  • Wissenschaftliche Basis : Die Tipps stützen sich auf eine eigene Artikel-Datenbank, die Strobl selbst befüllt, und nicht auf beliebige Internetquellen.
  • Bessere Gespräche beim Hautarzt: Wer seine Daten mitbringt, kann Lebensstil und Verlauf genauer schildern.

Wichtig zur Einordnung: Foolproof Skin ist kein Medizinprodukt und stellt keine Diagnosen. Bei anhaltenden Beschwerden bleibt der Weg zur Dermatologin der richtige.

Weiterentwicklung mit Community

Die  Weiterentwicklung  basiert auf Einbeziehung der Community© Foolproof Skin Hammerer

Foolproof Skin befindet sich in der Beta-Phase. Die App ist nutzbar, wird aber laufend weiterentwickelt und gerade neu gestaltet. „Wir wissen, die App ist noch nicht perfekt“, sagt Strobl offen. Sie will das Produkt nicht allein bauen, sondern gemeinsam mit einer Community, die ehrliches Feedback gibt.

Als Nächstes stehen mehrere Funktionen an, die vor allem das tägliche Eintragen vereinfachen sollen. Das Feedback der ersten Nutzerinnen war eindeutig: Jeden Tag alles manuell zu erfassen, ist zu mühsam.
• Ask Foolproof: Ein KI-Assistent, dem Sie Fragen zu Ihren eigenen Daten stellen können, etwa was Sie bei einem bestimmten Problem tun können. Der Start war beim Event für die kommenden zwei Wochen angekündigt.
• Essen per Foto: Statt Lebensmittelgruppen auszuwählen, genügt künftig ein Foto der Mahlzeit.
• Wearables: Daten von Fitness-Trackern und Smartwatches fließen mit dem nächsten Release ein.
• Bildbasiertes Hauttracking: Ist ab 2027 geplant.

30-Tage-Hauttracking Challenge

Um die Community aufzubauen, kooperiert Foolproof Skin mit Korean Eden, einem 2026 gegründeten Wiener Online-Händler für koreanische Hautpflege. Gemeinsam starten die beiden Start-ups eine 30-Tage-Hauttracking-Challenge vom 1. November 2026 bis 1. Jänner 2027 . 

Die 30 Tage Hauttracking Challenge unterstützt die Entwicklung der App© Foolproof Skin

Wer 30 Tage in Folge trackt, schickt einen Screenshot seiner Streak-Flamme ein. Ein vergessener Tag lässt sich nachtragen, ähnlich wie bei der Sprach-App Duolingo. Unter allen Teilnehmenden werden drei individuell abgestimmte Pflegesets verlost, alle anderen erhalten einen Gutschein von Korean Eden.

BEAUTY.at Fazit

Foolproof Skin verspricht keine Wunder per Selfie. Die App verlangt etwas Disziplin: mindestens zehn, besser 30 Tage regelmäßiges Tracking. Dafür liefert sie, was eine Momentaufnahme nicht kann, nämlich ein Bild davon, wie die eigene Haut über Wochen auf Pflege, Alltag und Umwelt reagiert. Wer seit Langem nach dem Auslöser für Unreinheiten, Rötungen oder eine gereizte Kopfhaut sucht, findet hier einen strukturierten Ansatz mit wissenschaftlichem Hintergrund. Die Challenge ab 1. November ist ein guter Anlass, es auszuprobieren.

Foolproof Skin
Download Links unter linktr.ee/foolproofskin . Auf dem iPhone zuerst TestFlight installieren, dann über denselben Link die App laden. Hier ist auch der Zugang zur Community. Die Basisversion ist kostenlos, Premium-Version geplant.