Die Illusion der mühelosen Perfektion

Warum gesunde Haut wenig mit Perfektion zu tun hat

Klarheit ist das Prinzip einer konsequenten Hautpflege© BEAUTY.at

Zehn Pflegeprodukte im Badezimmer, Termine für Treatments im Kalender, neue Trend-Wirkstoffe auf Instagram – und trotzdem bleibt das Gefühl, noch nicht genug für die Haut zu tun. Im Rahmen des EADV-Kongresses in Wien hat L'Oréal Dermatological Beauty zu einem Talk mit der Dermatologin Dr. Kerstin Ortlechner eingeladen, die diesem Beauty-Overload eine überraschend pragmatische Haltung entgegensetzt: weniger Trends, mehr Wissenschaft. Weniger Perfektion, mehr Konsequenz. Und vor allem: Haut nicht isoliert betrachten.

Die Illusion der Mühelosigkeit - besser lässt sich das gegenwärtige Schönheitsideal kaum beschreiben. Wir sollen frisch aussehen, aber nicht „gemacht“. Gepflegt, aber keinesfalls angestrengt. Alterslos, aber natürlich. Und selbstverständlich soll all das auch so aussehen, als hätten wir dafür weder besonders viel Zeit noch Mühen aufgewendet.

Dr. Kerstin Orlechner über die Illusion einer mühelosen Perfektion© BEAUTY.at

Dr. Kerstin Ortlechner beschäftigt sich als Ärztin mit einer Generation von Patientinnen, die nicht unbedingt jünger aussehen möchte. Es geht vorrangig um gutes Aussehen - aber dabei bei sich selbst zu bleiben. Im Talk wird deutlich: Die Ära des offensichtlich veränderten Gesichts verliert an Attraktivität. Gefragt sind Ergebnisse, bei denen nicht das Treatment auffällt, sondern der Mensch. Oder, wie Ortlechner es auf den Punkt bringt: Patientinnen wollen keine Veränderungen, sondern das eigene, frische Ich. 

Damit verändert sich auch die Rolle der ästhetischen Medizin. Es geht weniger um spektakuläre Eingriffe als um ein intelligentes Zusammenspiel von Hautpflege, Prävention, Lifestyle, medizinischer Diagnostik und – dort wo sinnvoll – gezielten Treatments.

20 Prozent Gene. Und der Rest?

Hautalterung ist ein spannendes Thema. Nur ein kleinerer Teil lässt sich den genetischen Voraussetzungen zuschreiben; einen wesentlich größeren Einfluss haben innere und äußere Faktoren, zusammengefasst unter dem Begriff Exposom. Dazu zählen unter anderem UV- und Umweltbelastungen sowie Stress, aber auch Schlaf, hormonelle Situation, Gesundheitszustand und Immunsystem.

Das verändert die Perspektive. Damit ist Haut nicht einfach eine Hülle, die mit den Jahren zwangsläufig älter wird. Sie ist auch ein Archiv unseres Alltags. Zu wenig Schlaf? Sie merkt es. Chronischer Stress? Ebenfalls. Rauchen, intensive Sonne, schlechte Ernährung? Auch diese Faktoren verschwinden nicht spurlos.

Drei Dinge statt zehn

Die Illusion von „müheloser Perfektion“ beginnt also nicht vor dem Badezimmerspiegel. Und sie lässt sich schon gar nicht ausschließlich mit einem weiteren Serum lösen. Was aber tun, wenn morgens weder Zeit noch Lust für eine zehnstufige Skincare-Routine vorhanden sind? Ortlechners Antwort ist angenehm unspektakulär. Sie reduziert Hautpflege auf wenige wissenschaftlich gut untersuchte Prinzipien. "Sonnenschutz ist das beste und einfachste Anti-Aging-Mittel", erklärt sie. Dazu kommen morgens Antioxidantien und abends eine Pflege, die Regeneration und Reparatur unterstützt. Welche Wirkstoffe dabei sinnvoll sind, hängt von Hautzustand, Alter und individuellen Problemen ab. Ortlechner nennt in diesem Zusammenhang unter anderem Vitamin C, Niacinamid, Säuren oder Retinoide.

Hautpflege kann auf wenige, wissenschaftlich gut untersuchte Produkte reduziert werden© BEAUTY.at

Für einen strahlenden Teint kann morgens beispielsweise das SkinCeuticals C E Ferulic als Vitamin-C-Serum eingesetzt werden. Der entscheidende Gedanke dahinter: Nicht möglichst viel verwenden, sondern das Richtige konsequent.

Und noch etwas: Ein hervorragendes Serum kann einen schlechten Lebensstil nicht kompensieren.

Ortlechner formuliert es sehr plastisch: Wer raucht, täglich in der Sonne liegt, schlecht schläft und sich ungünstig ernährt, wird auch mit der besten Hautpflege nur begrenzt gegensteuern können. Entscheidend sei die Kombination.

Beauty.at To-do: Skincare für Frauen, die keine Zeit haben

1.    Morgens Antioxidantien. Ein gut formuliertes Serum reicht – die Routine muss kein Beauty-Marathon sein. Das SkinCeuticals C E Ferulic kombiniert Vitamin C mit weiteren antioxidativen Inhaltsstoffen und unterstützt einen strahlenden Teint.

2.    Jeden Morgen Sonnenschutz. Nicht nur im Urlaub und nicht erst im Hochsommer. Wenn nur ein Anti-Aging-Schritt konsequent umgesetzt wird, steht UV-Schutz ganz oben. Das La Roche-Posay Anthelios UVMune 400 Invisible Fluid bietet einen hohen täglichen UV-Schutz mit leichter, unsichtbarer Textur.

3.    Abends regenerieren. Reinigung plus eine individuell passende regenerative Pflege. Je nach Haut können beispielsweise Retinoide, Niacinamid oder andere aktive Wirkstoffe sinnvoll sein. Das Vichy Liftactiv Collagen 16 Bonding Serum kann dabei als gezielte Pflege zur Unterstützung der Hautstruktur in die Routine integriert werden.

4.    Gesicht nicht am Kinn enden lassen. Hals, Dekolleté, Handrücken und andere exponierte Stellen mitdenken. Auch das Vichy Liftactiv Collagen 16 Bonding Serum lässt sich – sofern für die jeweilige Haut geeignet – über das Gesicht hinaus an Hals und Dekolleté anwenden.

5.    Körperpflege vereinfachen . Milde Reinigung und Feuchtigkeit reichen bei gesunder Haut häufig aus. In der Heizperiode oder bei trockener bzw. gestörter Hautbarriere braucht die Haut mehr Unterstützung. Die CeraVe Feuchtigkeitscreme für den Körper versorgt die Haut mit Feuchtigkeit und unterstützt die Hautbarriere.

6.    Pigmentflecken nicht selbst diagnostizieren . Nicht jeder dunkle Fleck ist automatisch ein harmloser Sonnen- oder Altersfleck. Ortlechner empfiehlt, Pigmentveränderungen medizinisch beurteilen zu lassen. Erst nach einer fachlichen Einschätzung kann eine passende Pflege wie das La Roche-Posay Mela B3 Serum sinnvoll eingesetzt werden.

7.    Keine Pigmentpflege ohne Sonnenschutz. Wer aufhellende Produkte verwendet, aber UV-Schutz auslässt, arbeitet gegen die eigene Routine. Das La Roche-Posay Mela B3 Serum enthält das patentierte Melasyl zur Vorbeugung von Pigmentflecken. Melasyl ist auch im La Roche-Posay Anthelios Pigmentfleckenfluid mit Sonnenschutz enthalten. Ortlechner verweist außerdem darauf, dass bei Pigmentierung neben UV-Strahlung zunehmend auch sichtbares Licht und Wärme diskutiert werden.

8.    Beauty-Trends erst prüfen, dann kaufen.Neu bedeutet nicht automatisch wirksam. Wissenschaftliche Evidenz schlägt Social-Media-Hype. Das SkinCeuticals Phyto Corrective Serum kann bei empfindlicher oder zu Rötungen neigender Haut eine beruhigende Ergänzung sein – entscheidend bleibt, ob es zum individuellen Hautzustand passt.

9.    Schlaf als Beauty-Treatment behandeln. Ebenso Bewegung, Ernährung und Stressmanagement. Hautpflege beginnt nicht erst beim Öffnen des Cremetiegels.

10.    Der  wichtigste Inhaltstoff: Konsequenz . Drei sinnvolle Schritte, die täglich stattfinden, sind wertvoller als zehn Produkte, die sporadisch verwendet werden.

IM INTERVIEW - Dr. Kerstin Ortlechner

Im Interview - Dr. Kerstin Ortlechner© BEAUTY.at

BEAUTY.at: Wenn unsere Haut mitschreiben könnte – wie viel ihrer Geschichte bestimmen eigentlich unsere Gene?

Dr. Kerstin Ortlechner: Vereinfacht kann man von ungefähr 20% genetischem Einfluss sprechen. Der wesentlich größere Bereich betrifft das sogenannte Exposom, also Faktoren, denen wir von außen, aber auch von innen ausgesetzt sind. Dazu gehören UV-Strahlung, Stress und Umweltverschmutzung, aber genauso Hormone, Schlaf, Gesundheitszustand oder das Immunsystem.

Viele Frauen fühlen sich von zehn Produkten und komplizierten Routinen eher überfordert. Was braucht die Haut wirklich?

Ich reduziere es auf das Notwendigste. Ganz klassisch ist Sonnenschutz. „Sonnenschutz ist das beste und einfachste Anti-Aging-Mittel.“ Morgens kommen Antioxidantien dazu. Abends geht es in Richtung Regeneration und Reparatur. Was man dafür verwendet, muss individuell zur Haut passen.

Was hat den größeren Effekt: Pflege oder Lifestyle?

Man kann das nicht wirklich voneinander trennen. Wenn jemand einen sehr schlechten Lifestyle hat, raucht, jeden Tag in der Sonne liegt, schlecht schläft und sich schlecht ernährt, kann auch die beste Skincare das nicht ausgleichen. Es geht um die Summe, um einen 360-Grad-Ansatz.

Pigmentflecken sind ein großes Beauty-Thema. Kann eine Konsumentin selbst erkennen, um welche Art von Fleck es sich handelt?

„Das muss wirklich diagnostiziert werden.“ Man kann das selbst nicht zuverlässig unterscheiden. Gerade deshalb ist es wichtig, Pigmentveränderungen ärztlich anschauen zu lassen. Hinter einem vermeintlichen Pigmentfleck kann auch etwas anderes stecken.

Und Pigmentpflege ohne Sonnenschutz?

Das ergibt wenig Sinn. Wenn man Pigmentierung behandelt, gleichzeitig aber keinen Sonnenschutz verwendet, fehlt eine wesentliche Grundlage. Spannend ist außerdem, dass inzwischen nicht nur UV-Strahlung betrachtet wird. Es gibt zunehmend Forschung zu sichtbarem Licht und auch zur Rolle von Wärme bei Pigmentierung.

Warum pflegen wir eigentlich unser Gesicht minutiös – und vergessen den Körper?

Das Gesicht ist gemeinsam mit Hals, Dekolleté und Händen wesentlich stärker exponiert. Deshalb ist dieser Fokus bis zu einem gewissen Grad nachvollziehbar. Gesunde Körperhaut besitzt außerdem einen eigenen Schutz. Problematisch wird es, wenn wir beispielsweise mit aggressiver Reinigung diese Barriere ständig beeinträchtigen. Bei gesunder Haut reichen milde Reinigung und Feuchtigkeit oft aus; bei sehr trockener oder erkrankter Haut muss man gezielter unterstützen.

Können Cremes Mimikfalten tatsächlich beeinflussen?

Man muss unterscheiden, wo die Ursache einer Falte liegt. Eine ausgeprägte Zornesfalte entsteht durch tiefer liegende Muskelaktivität und mit einer Creme lässt sich diese Ursache nicht einfach ausschalten. Bei sehr feinen, oberflächlichen Linien können topische Wirkstoffe hingegen ansetzen. Genau deshalb muss man Anatomie und Ursache verstehen, statt jede Falte gleich zu behandeln.

PDRN gehört derzeit zu den meistdiskutierten Wirkstoffen. Was steckt dahinter?

PDRN steht für Polynukleotide beziehungsweise DNA-Bestandteile. Im Zentrum steht das Prinzip der Biostimulation: Man versucht, körpereigene Prozesse zu unterstützen und Zellen zur Regeneration beziehungsweise Reparatur anzuregen. Die Idee ist also weniger, etwas künstlich zu ersetzen, sondern den Organismus bei seinen eigenen Reparaturmechanismen zu unterstützen.

Zum Schluss die Frage für alle, die morgens keine Zeit haben: Drei Minuten, viele Pflegeprodukte – was lässt sich tatsächlich schaffen?

Die 3-Minuten-Formel bedeutet: Sanft reinigen → Antioxidans → SPF.

In dieser geringen Zeit lässt sich eine gute Routine umsetzen:

Minute 1: Reinigen – aber sanft.

Die Haut muss morgens nicht „quietschsauber“ sein. Eine milde Reinigung beziehungsweise – abhängig vom Hauttyp – ein unkomplizierter Start genügt. Entscheidend ist, die Hautbarriere nicht unnötig zu strapazieren.

Minute 2: Antioxidantien.

Jetzt kommt der Wirkstoffschritt. Ich empfehle Antioxidantien am Morgen direkt auf der Haut; beispielsweise Vitamin C. Es braucht dafür keine komplizierte Layering-Routine und nicht fünf verschiedene Seren. Ein sinnvoll ausgewähltes Produkt reicht.

Minute 3: Sonnenschutz.

Der Schritt, den man nicht weglassen sollte: Sonnenschutz ist das beste und einfachste Anti-Aging-Mittel..

Wir danken für das Gespräch.

MD Kerstin Ortlechner