Astrophil & Stella
Ein Liebesroman, den man auf der Haut liest
Ein englischer Dichter, italienische Duftkunst und Parfümeure mit eigener Handschrift: Astrophil & Stella erzählt Geschichten in Duftform. Die spannendste Frage dabei lautet: Welche möchte man selbst tragen?
© Astrophil & Stella
Die Gründe, warum wir welches Parfum tragen, sind höchst unterschiedlich. Manche riechen vertraut, andere bringen eine Seite in uns zum Klingen, die im Alltag selten zum Vorschein kommt. Vielleicht die Sehnsucht nach einem nächtlichen Abenteuer. Die Erinnerung an einen Morgen in Paris. Oder die Lust, sich für einen Augenblick in eine andere Zeit zu versetzen.
Das italienische Dufthaus Astrophil & Stella entwickelt seine Kreationen aus Geschichten, Schauplätzen und Stimmungen. Man könnte die Marke als kleinen literarischen Verlag betrachten. Die Flakons sind seine Bücher, die Parfümeure seine Autoren. Gemeinsam ist ihnen eine erzählerische Welt; wie ein einzelnes Kapitel duftet, hängt von der jeweiligen Handschrift ab.
Zwei Liebende als Ausgangspunkt
Der Name führt in die englische Renaissance: zu Sir Philip Sidneys Gedichtsammlung „Astrophil and Stella“. Das Dufthaus greift deren Liebesthema auf und entwickelt daraus seine eigene kosmische Erzählung. Astrophil ist darin ein träumender Sterblicher, Stella ein strahlendes himmlisches Wesen. Ihre Begegnung verbindet Erde und Sternenhimmel.
Diese Idee prägt auch die Gestaltung. Die Turiner Designagentur lamatilde entwickelte 2020 die Markenidentität mit Zeichen, die an Sternbilder und deren Bewegung erinnern. Jeder Duft sollte ein
weiteres Kapitel dieser Liebesgeschichte werden. Der literarische Bezug reicht damit vom Namen bis zur Verpackung.
© Astrophil & Stella
Die Geschichte des Hauses selbst ist deutlich jünger als seine Inspirationsquelle. Ende 2020 wurde Astrophil & Stella mit einer ersten Kollektion aus sechs Extraits de Parfum vorgestellt. Es handelt sich also um ein zeitgenössisches Nischenhaus, dessen kulturelle Bezüge weit zurückreichen.
Wer schreibt die duftenden Kapitel?
Hinter der Marke steht das italienische Unternehmen Gida Profumi mit Sitz in Rimini. Als künstlerischer Leiter zeichnet Alessandro Castagno verantwortlich. Geschichte, Philosophie, Kunst, Landschaften und vergangene Epochen bilden nach seiner Beschreibung den Stoff, aus dem die Duftideen entstehen. Übersetzt werden diese Ideen von unterschiedlichen Parfümeuren. Zu ihnen zählen Bertrand Duchaufour, Cécile Zarokian, Nathalie Feisthauer, Luca Maffei und Christian Provenzano. Auch Mark Buxton und Michele Marin haben für das Haus komponiert.
Paris zum Frühstück, Shanghai bei Nacht
Wie unterschiedlich diese Geschichten ausfallen, zeigt Paris Chéri Montmatre
von Nathalie Feisthauer. Die Inspiration ist ein früher Pariser Morgen, wenn der Duft von Viennoiserien durch die Straßen zieht. Kaffee und Kakao treffen auf Kardamom, Zimtblatt, Vanille und Tonkabohne. Ein Gourmand, also ein Duft mit Anklängen an Essbares, der Genuss zum Thema macht.
Shanghai 1930 von Arturetto Landi entwirft dagegen das Bild einer Stadt voller kultureller Begegnungen. Grüner Tee, Pflaume und Mango führen zu einem üppigen Blumenherz mit Tuberose, Jasmin und Magnolie; Sandelholz, Myrrhe und Vanille bilden den Hintergrund.
Wesentlich dunkler ist die Idee hinter In Extremis von Meo Fusciuni: eine Hommage an Caravaggio und seine dramatischen Kontraste. Galbanum, Weihrauch, Leder-Oud und holzige Noten übersetzen das Spiel von Licht und Schatten in eine Duftkomposition. Alle drei Düfte zählt das Haus zu seinen Bestsellern, ebenso auch Nabati, Into the Oud und Love is Lost.
Zwei Seiten der Nacht
Besonders anschaulich wird das Konzept bei den Neuheiten Pepperkorn und Sambalia . Beide widmen sich der Nacht, wählen aber völlig unterschiedliche Momente. Pepperkorn, komponiert von Mark Buxton, gehört dem Aufbruch: Neonlicht, Glam Rock, die Spannung vor dem ersten Ton. Rosa Pfeffer, Muskatellersalbei und Geranie eröffnen die Komposition. Muskatnuss, Gewürznelke und Zedernholz geben Würze; Weihrauch, Sandelholz und Patchouli führen das Thema weiter. Die Duftidee besitzt Ecken und Kanten, passend zur musikalischen Inspiration.
© Astrophil & Stella
Sambalia
von Michele Marin sucht die stille Stunde zwischen Schlaf und Morgengrauen. Mandarine, Zitrone und marine Akkorde bilden den Auftakt, gefolgt von Jasmin Sambac, Magnolie, Rose und Maiglöckchen. Pfirsich, Heidelbeere, Sandelholz und Moschus ergänzen die weichere Seite dieser nächtlichen Geschichte.
Was macht die Marke besonders?
Bei Astrophil & Stella entsteht das Profil eines Duftes aus dem Zusammenspiel von literarischer Grundidee, italienischer Gestaltung und wechselnden Parfümeuren. Die Kollektion funktioniert wie eine Anthologie: zusammengehörig, aber mit bewusst unterschiedlichen Stimmen.
Der schönste Zugang ist die Wahl einer Geschichte, die neugierig macht, und anschließend die Haut entscheiden zu lassen. Vielleicht beginnt die persönliche Verbindung mit Kaffee und Kakao. Vielleicht mit Weihrauch und Pfeffer. Oder mit einer Rose, die von einer wiedergefundenen Liebe erzählt
