Louis Vuitton Journey to China
Drei Düfte. Drei Geschichten. Eine Reise, die auf der Haut bleibt.
© Vincent Levrat
Mit Tea Storm, Ink Mark und Moon Tale reist Louis Vuitton nach China - und entdeckt dort weit mehr als neue Ingredienzen. Die drei Parfums erzählen von Ritualen, Erinnerungen und Schönheit, von Stille und pulsierender Großstadt, von jahrtausendealter Kultur und radikaler Gegenwart. Vielleicht berühren sie gerade deshalb: Weil sie nicht danach fragen, wie ein Land riecht. Sondern danach, wie es sich anfühlt.
Autor: Helga Fiala Lesezeit: 5 Minuten
Von den meisten unserer Reisen bringen wir Bilder mit, einige davon
jedoch hinterlassen unsichtbare Erinerungen: den Geruch eines Ortes,
einer Blüte, eines warmen Abends, einer Tasse Tee. Jahre später genügt
ein einziger Dufthauch und wir sind wieder dort.
© Louis Vuitton - Vincent Levrat Louis Vuitton hat das Reisen seit jeher zu seiner großen Erzählung gemacht. Mit der Kollektion Perfumes of the World – Journey to China wird daraus nun eine olfaktorische Reise. Nach dem Nahen Osten und Kalifornien richtet das Haus den Blick auf China. Doch Maître Parfumeur Jacques Cavallier Belletrud, der gemeinsam mit seiner Tochter und Parfümeurin Camille Cavallier Belletrud an den drei Kreationen arbeitete, wollte ausdrücklich keine duftenden Postkarten und keine China-Klischees produzieren.
„China is made up of a mosaic of cultures – it’s a blend of absolute modernity and ancestral traditions reimagined for the present day.“ China sei ein Mosaik von Kulturen, sagt Cavallier Belletrud, eine Verbindung aus absoluter Modernität und uralten Traditionen, die für die Gegenwart neu interpretiert werden. Diese Spannung bildet den roten Faden der Kollektion.
Louis Vuitton beschreibt seine Parfums generell als emotionale, sensorische Reisen; Cavallier Belletrud selbst formuliert seine Arbeitsweise bemerkenswert einfach: „Ich habe nach Duftnoten gesucht, die mir helfen, die Geschichten zu erzählen, die ich erzählen wollte.“ Bei Tea Storm, Ink Mark und Moon Tale wird dieser Gedanke besonders deutlich.
Tea Storm: Wie riecht ein Augenblick der Ruhe?
© Louis Vuitton - Vincent Levrat Eine Tasse Tee. Wasser. Wind. Eine Landschaft. Eigentlich geschieht fast nichts und gerade deshalb passiert sehr viel. Tea Storm übersetzt die chinesische Teekultur nicht in einen konventionellen Teeduft, sondern in einen Moment. Cavallier Belletrud stellt sich eine Teezeremonie im Freien vor, den Elementen ausgesetzt. „In China, tea is much more than a beverage – it’s a philosophy, an art de vivre.“
Der Auftakt aus Lemongrass wirkt hell und beinahe elektrisierend. Dazu kommt Magnolie, die Cavallier Belletrud als eine der frischesten Blüten mit fruchtigen und fast zitrischen Facetten beschreibt. Eine exklusiv für Louis Vuitton mittels CO₂ extrahierte Rose aus Grasse gibt dem floralen Herzen Samtigkeit; darunter liegt ein warmer Tee-Akkord mit Anklängen von Holz, Heu und Honig. Das Faszinierende daran ist der Gegensatz: Tee steht für Kontemplation, Storm für Bewegung. Ruhe trifft Energie. Tea Storm will das Gefühl des Teetrinkens einfangen: diesen kurzen Moment, in dem die Welt für einen Augenblick langsamer wird.
Ink Mark: Der Duft eines Gedankens
Ink Mark ist vielleicht die intellektuellste und ungewöhnlichste der drei Kompositionen. Ausgangspunkt ist chinesische Kalligrafie: die Hand, die einen Gedanken zu Papier bringt, schwarze Tinte, deren Geruch aufsteigt, die Linie als Ausdruck einer Persönlichkeit.
© Louis Vuitton - Vincent Levrat Doch auch hier interessiert Louis Vuitton nicht allein die Vergangenheit. In Shanghai begegnete Cavallier Belletrud einer jahrtausendealten Kunst, die mitten in einer hypermodernen Metropole weiterlebt und von Künstlern neu interpretiert wird. Ein schöner Gedanke: Innenschau trifft Großstadtenergie.
„Ink Mark was inspired by the deep scent of ink and is built around that fascinating tension between introspection and urban effervescence.“
Cremiges Sandelholz bildet das Fundament. Weißer Weihrauch, in Grasse mit einem seltenen Verfahren destilliert, setzt einen mineralisch-kühlen Kontrapunkt; Amber verlängert die Spur auf der Haut. Über den Weihrauch sagt Cavallier Belletrud einen Satz, der eigentlich die ganze Idee von Parfum erklären könnte: " Es ist ein Inhaltsstoff, der zur Seele spricht und den Geist belebt."
Ink Mark hat etwas Meditatives, Dunkles, beinahe Privates. Wie eine handgeschriebene Zeile, deren Bedeutung nur derjenige vollständig kennt, der sie geschrieben hat.
Moon Tale: Wenn Schönheit eine Geschichte erzählt
Dieser Duft widmet sich der Schönheit – allerdings nicht Schönheit als Perfektion, sondern als Form des Ausdrucks. Als Inspiration diente die chinesische Legende der Four Great Beauties. Von einer dieser legendären Frauen heißt es, ihre Anmut sei so außergewöhnlich gewesen, dass sie selbst den Mond überstrahlte. Cavallier Belletrud macht daraus ein imaginäres Schönheitsritual.
© Louis Vuitton - Vincent Levrat Der erste Pinselstrich ist Himbeere: leuchtend, rot, fast wie Rouge. Danach öffnet sich ein üppiges Bouquet aus Pfingstrose, Geranium, Sambac-Jasmin und Magnolie. Moschus legt sich schließlich wie Reispuder über die Komposition – weich, körpernah und beinahe kosmetisch. Es ist der vielleicht unmittelbar emotionalste Duft des Trios: Farbe wird Geruch, Make-up wird Erinnerung, ein Beauty-Ritual wird Parfum.
Man versteht plötzlich, warum Duft und Kosmetik seit Jahrhunderten so eng miteinander verbunden sind. Beides kann etwas zum Vorschein bringen, das vorher nur in uns existierte.
Selbst die Flakons setzen die Erzählung fort. Marc Newsons bekannter Louis-Vuitton-Flakon wurde für die Kollektion von historischen chinesischen Snuff Bottles inspiriert. Opalisierendes Glas erinnert an schimmerndes Pekingglas, intensive Verschlüsse an Jade, Quarz und andere Schmucksteine. Selbst die Reisetasche greift mit einem handgebundenen Lederknoten traditionelle chinesische Glücks- und Schutzknoten auf.
Hier liegt die eigentliche Stärke von Journey to China. Louis Vuitton versucht nicht, China in drei Düften zu erklären, sondern übersetzt drei kulturelle Gesten - Tee trinken, schreiben, sich schmücken - und übersetzt sie in duftende Emotion.
Cavallier Belletrud beschreibt seine Faszination so: „I was deeply moved by this ability to transform nature into culture.“ Vielleicht ist das zugleich eine der schönsten Definitionen von Parfum. Aus Blüten, Hölzer, Harze, Früchte und Moleküle werden Erinnerungen. Sehnsucht. Geborgenheit. Verführung. Fernweh. Tea Storm ist der Moment. Ink Mark der Gedanke. Moon Tale die Verwandlung. Drei Düfte, drei vollkommen unterschiedliche Emotionen – und doch erzählen sie dieselbe Geschichte: Dass Reisen nicht bedeutet, möglichst viele Kilometer zurückzulegen.
