Hautanalyse online

Der digitale Spiegel vor dem Warenkorb

Hautanalyse Online - der digitale Spiegel© Louis Widmer


Hautpflege ist immer dann eine Sache von Try & Error, wenn keine persönliche Beratung im Store möglich ist. Man steht vor dem Regal, liest „Glow“, „Anti-Age“ oder „sensitiv“, probiert es auf dem Handrücken aus und hofft, dass die Creme zum persönlichen Hautzustand passt. Mit zunehmender Verlagerung unserer Shopping Präferenzen ins Internet, wird auch die Beratung zunehmend digital. Immer mehr Marken im deutschsprachigen Raum setzen auf KI-gestützte Hautanalysen, Selfie-Scans oder Fragebogen-Tools, die innerhalb weniger Sekunden eine Pflegeroutine empfehlen. Der Vorteil liegt in der Orientierung. Der Nachteil: Jedes Tool empfiehlt naturgemäß die Produkte der eigenen Marke. Man sollte also schon vorab entscheiden, welcher Marke man das Vertrauen schenkt. 

Was die Tools können – und was nicht
Die meisten Systeme arbeiten mit einem Selfie, teils kombiniert mit Fragen zu Hauttyp, Alter, Pflegewunsch oder Hautgefühl. Am besten steigt man via Smartphone ein, einige Anbieter stellen einen QR-Code zum Starten zur Verfügung. Die wichtigsten Anbieter im Überblick:

Digitale Hautberatung bezieht neben den Hautproblemen auf den Lebensmittelpunkt mit ein.© Louis Widmer

Louis Widmer setzt bei seiner digitalen Hautberatung auf eine KI-gestützte Analyse, die über einen Gesichtsscan und ergänzende Fragen individuelle Hautbedürfnisse ermitteln soll. Im Mittelpunkt stehen klassische dermatologische Themen wie Feuchtigkeitsmangel, Empfindlichkeit, erste Zeichen der Hautalterung oder die Wahl geeigneter Wirkstoffe. Mit einbezogen wird auch der Lebensmittelpunkt, da die Umweltbelastung in Großstädten sich anders darstellt als auf dem Land. Die Analyse wird auf Wunsch auch per Mail geschickt. Die Empfehlungen wirken sachlich und medizinisch fundiert, bleiben jedoch – wie bei allen markeneigenen Tools – auf das Produktsortiment von Louis Widmer beschränkt. Positiv fällt die unkomplizierte, rasche Erfassung und auch der Gesichtsscan auf sowie die dermatologische Positionierung der Marke auf, während über die genaue Datenbasis und die Trainingsmodelle der KI vergleichsweise wenig öffentlich bekannt ist.

E-SkinExpert analysiert mehr als 20 sichtbare Hautmerkmale© Lancôme

Lancôme gehört mit seinem  E-Skin Expert , vielen Anwenderinnen noch als Youth Finder bekannt, zu den Pionieren der digitalen Hautanalyse. Es braucht 3 Selfies, um sichtbare Hautmerkmale wie Fältchen, Poren, Hautstruktur oder Pigmentunregelmäßigkeiten auszuwerten. Lancôme analysiert laut eigener Angabe über 20 sichtbare Hautmerkmale und vergleicht diese mit mehr als 25.000 gespeicherten Hautaufnahmen. Das Tool gibt danach eine Routine von Reinigung bis Pflege aus und koppelt die Empfehlung direkt an einen Kaufanreiz mit Rabatt für den Erstkauf. Das Tool ist benutzerfreundlich gestaltet und führt anschließend durch eine komplette Pflegeroutine. Die Analyse ist hochwertig inszeniert,  Selfie-Aufnahmen direkt über das Tool funktionieren nicht, man sollte die Aufnahme des Gesichts von vorne sowie von beiden Seiten schon parat haben. Zudem hängt sich das System immer wieder auf, offenbar eine Folge von verstärktem Zugriff.

Die Skinconsult AI zählt zu den wissenschaftlichen Lösungen© Vichy

Vichy Skinconsult AI zählt zu den wissenschaftlichsten Lösungen. Die künstliche Intelligenz bewertet anhand eines Selfies sieben zentrale Hautparameter, darunter Linien, Festigkeit, Augenpartie, Pigmentflecken, Unreinheiten und Rötungen. Die Auswertung basiert auf 21 definierten Zeichen von Hautalterung.Die Marke verweist dabei auf eine dermatologisch validierte Datenbasis und eine hohe Übereinstimmung mit professionellen Hautbewertungen. Es werden nicht nur klassische Anti-Aging-Themen analysiert, sondern auch empfindliche Haut und Rötungen berücksichtigt werden. Für komplexe Hautprobleme wie Rosacea oder Akne ersetzt die Analyse allerdings keine fachärztliche Einschätzung.

Spotscan+ von La Roche Posay richtet sich an Menschen mit unreiner Haut© La Roche Posay


La Roche-Posay verfolgt mit SPOTSCAN+ einen deutlich spezifischeren Ansatz. Das Tool richtet sich ausdrücklich an Menschen mit unreiner oder zu Akne neigender Haut. Für die Analyse werden drei Selfies aus unterschiedlichen Perspektiven aufgenommen, wodurch Pickel, Mitesser und Pickelmale genauer erfasst werden können. Die Ergebnisse werden auf einer Skala bewertet, mit 12.000 Vergleichsprofilen verglichen und in eine individuelle Effaclar-Routine übersetzt. Im Bereich Akne und Unreinheiten zählt SPOTSCAN+ derzeit zu den überzeugendsten digitalen Lösungen großer Kosmetikmarken.

Der Skin Analyzer punktet mit Transparenz und umfassender Information© Weleda


Weleda Skin Analyzer  spricht vor allem Nutzerinnen an, die Wert auf Natürlichkeit und Transparenz legen. Das Tool analysiert ein Foto der Haut, ergänzt durch einige Fragen, und erstellt anschließend einen individuellen Pflegebericht. Interessant ist auch, wie jedes Problem - Linien, Öligkeit, Rötungen, Pigmentflecken, Trockenheit, Poren, Schuppungen und Unreinheiten - im Gesichtsscan analysiert und dargestellt wird, so daß man mehr Gefühl für die individuellen Bedürfnisse der Gesichtshaut erhält. Das Tool erkennt die drei wichigsten Hautbedürfnisse, die bei Bedarf ergänzt werden  können, und empfiehlt die passenden Produkte. Es wird auch die Möglichkeit angeboten, die Analyse per eMail zu senden. Besonders positiv ist der Umgang mit Datenschutz: Es ist kein Benutzerkonto erforderlich, die Bilddaten werden anonymisiert verarbeitet und nach Abschluss der Analyse gelöscht. 

Der Skin Coach richtet sich an ein junges Publikum© Garnier


Garnier Skin Coach AI  richtet sich an eine junge, digitale Zielgruppe, die schnell und unkompliziert eine Einschätzung ihrer Haut erhalten möchte. Die Analyse erfolgt über ein Selfie, vergleicht mit 25.000 Bildern und liefert nach Fragen zu Empfindlichkeit und Makeup innerhalb weniger Sekunden einen Analyse von 6 Parametern wie Glow, Augenfältchen, Poren, Ebenmässigkeit, Pigmentierung und Unreinheiten. Dazu folgen Empfehlungen für Reinigung, Serum und Pflege. Das Tool ist einfach handzuhaben, bietet jedoch weniger Tiefe als spezialisierte dermatologische Systeme. Es ist jedoch ideal als niederschwelliger Einstieg in die personalisierte Hautpflege.

Skin Genius zählt zu den bekanntesten Hautanalyse Tools weltweit© L'Oreal Paris


L’Oréal Paris Skin Genius  gehört zu den bekanntesten Hautanalyse-Tools weltweit. Nach einem Foto-Upload bewertet die KI verschiedene sichtbare Hautmerkmale und erstellt daraus eine individuelle Pflegeroutine. Die Anwendung ist kostenlos und sehr einfach aufgebaut. Besonders für Konsumentinnen, die erstmals eine digitale Hautanalyse ausprobieren möchten, bietet Skin Genius einen unkomplizierten Zugang. Die Empfehlungen bleiben im Rahmen der eigenen Markenwelt und konzentrieren sich auf allgemeine Pflegebedürfnisse.

Der Skin Assistent analysiert Hautmerkmale und subjektive Wahrnehmungen© Dr. Grandel


Dr. Grandel S[KI]NAssistant  kombiniert die klassische Fotoanalyse mit einem detaillierten Fragebogen. Dadurch fließen sowohl sichtbare Hautmerkmale als auch subjektive Wahrnehmungen in die Auswertung ein. Analysiert werden unter anderem Feuchtigkeit, Hautbild, Elastizität und individuelle Pflegewünsche. Die Ergebnisse wirken differenzierter als bei reinen Selfie-Lösungen und münden in eine maßgeschneiderte Produktauswahl innerhalb des Dr.-Grandel-Sortiments.

Die Digitale Hautanalyse verbindet Beauty-Beratung, Online Shopping und Personalisierung© Judith Williams


Judith Williams Digitale Hautanalyse verbindet Beauty-Beratung, Online-Shopping und Personalisierung besonders konsequent miteinander. Das Tool nimmt ein Selfie, errechnet das Hautalter und erstellt einen individuellen Hautbericht, der alle Aspekte von öligen Partien bis Falten berücksichtigt.Auf dieser Basis werden konkrete Produktempfehlungen erstellt, die direkt in den Warenkorb übernommen werden können. Das Tool ist klar auf Anwenderfreundlichkeit und Conversion ausgelegt und spricht alle an, die eine schnelle und unkomplizierte Lösung suchen. 

ClinicalReality nutzt eine KI-basierte Gesichtsanalyse in Kombination mit Selfies© Clinique


Clinique ClinicalReality nutzt ebenfalls eine KI-basierte Gesichtsanalyse mit Selfie, um Hautzustand und Pflegebedürfnisse zu bestimmen. Die Marke profitiert dabei von ihrer dermatologischen Glaubwürdigkeit und ihrer langen Tradition im Bereich individueller Hautpflege. Es werden 80 Datenpunkte gemessen, die Ergebnisse gliedern sich in Analyse, Erklärung und Empfehlung d.h. die Ursachen für jedes erkannte Hautproblem werden aufgelistet und auch dermatologische Behandlungen wie IPL Laser empfohlen. Dazu gibt es eine personalisierte Produktauswahl. Bereits beim Einstieg in das Tool werden Angebote eingeblendet, wodurch man nicht gleich die richtigen Buttons findet und wieder von vorne beginnen muss. 

Eucerin© Eucerin

Eucerin verfolgt einen anderen Ansatz. Statt einer umfassenden Selfie-KI setzt die Marke mit dermanostic auf   digitale Hautarzt-Diagnose und ergänzt diese durch Kooperationen mit dermatologischen Telemedizin-Anbietern. Dadurch wird die Grenze zwischen kosmetischer Beratung und medizinischer Hautbeurteilung klar gezogen. Für NutzerInnen mit empfindlicher Haut oder konkreten Hautproblemen kann dieser Ansatz besonders interessant sein, weil er bei Bedarf auch unkompliziert und ohne Wartezeit den Weg zur professionellen dermatologischen Abklärung eröffnet. Diese Anwendung ist jedoch kostenpflichtig.

Insgesamt zeigt sich eine zunehmende Individualisierung der digitalen Hautpflegeberatung. Während die meisten Marken die allgemeine Optimierung in den Mittelpunkt stellen, konzentriert sich La Roche-Posay und Eucerin auf gravierende Hautprobleme bzw. auf die Schnittstelle zwischen Pflege und Dermatologie. Für Konsumentinnen bedeutet das: Nicht jedes Tool ist für jede Hautfrage gleichermaßen geeignet. Die Qualität der Empfehlung hängt entscheidend davon ab, wie gut die jeweilige Spezialisierung zur eigenen Hautsituation passt.

Rosacea, Akne, Rötungen: Wie ernst nehmen die Tools Problemhaut?
Hier trennt sich das KI-Beratungstool von echter Hautkompetenz. Viele Tools erkennen „Rötungen“, „Unreinheiten“ oder „sensible Haut“. Das ist hilfreich, aber keine Diagnose. Rosacea wird meist nicht als eigenes medizinisches Thema analysiert, sondern in Kategorien wie Rötung, Empfindlichkeit oder Hautbarriere übersetzt. Akne wird am besten bei La Roche-Posay berücksichtigt: SPOTSCAN+ zählt und kategorisiert Unreinheiten und ist ausdrücklich für zu Akne neigende Haut entwickelt. Für ernsthafte, entzündliche oder chronische Hautprobleme bleibt der Hautarzt entscheidend. 

Handling: Wie einfach ist der Selfie-Upload?
Am einfachsten wirken Weleda, Garnier, L’Oréal Paris und Judith Williams: Foto aufnehmen oder hochladen, Analyse starten, Report erhalten. Weleda erklärt besonders transparent, dass kein Konto nötig ist und das Bild anonymisiert sowie nur während der Sitzung verwendet wird. Lancôme und La Roche Posay sind etwas aufwendiger, weil drei Selfies nötig sind – dafür ist das Ergebnis etwa bei La Roche Posay bei Akne spezifischer. 

Kann ich darüber nachdenken?
Die wenigsten Tools bieten die Möglichkeit, sich das Analyse-Ergebnis sowie die empfohlenen Produkte per eMail zu senden. Bei Vorschlägen von mehr als 3 Produkten möchte man möglicherweise die Kosten überdenken und auch die Bilder von den Problemzonen nochmals genau ansehen. 

Wie wird der Kauf begleitet?
Fast alle Tools enden in einer kuratierten Routine, was besonders praktisch ist. Die Systeme führen von der Analyse direkt zu Seren, Cremes, Reinigung, Augenpflege oder Sonnenschutz der jeweiligen Marke. Lancôme setzt zusätzlich einen Rabattimpuls, die meisten Marken bieten bereits beim Einstieg einen Preisvorteil z.B. bei Abonnement des Newsletters an. Judith Williams bietet One-Click-Warenkorb und Rabatt auf die Routine, Weleda erlaubt das Hinzufügen empfohlener Produkte in den Warenkorb. 

Unser Fazit
Online-Hautanalysen sind gute und kostenlose Einstiegstools: schnell, bequem, verständlich und besser als das Ratespiel vor dem Regal. Besonders treffsicher sind jene, die Bildanalyse mit Fragen kombinieren und transparent erklären, was sie messen. Louis Widmer, Lancôme und Vichy liefern die attraktivsten Markenwelten; La Roche-Posay überzeugt bei Akne am spezifischsten; Weleda punktet mit optisch anschaulicher Tiefen-Analyse und Datenschutz-Transparenz, während Eucerin sich deutlich in Richtung medizinischer Diagnose orientiert, die dann auch etwas kosten darf.

Fun Fact:  Manche Tools z.B. Louis Widmer oder Lancôme analysieren auch das Hautalter anhand der Selfies. Mit den absolut gleichen Bildern wurde das Alter unserer Testperson von den unterschiedlichen Tools mit 48, 63 und 68 Jahren ermittelt.

Wichtig: Die KI sieht nur, was ein Selfie zeigt. Sie kennt keine Krankengeschichte, keine Trigger, keine Medikamente und keine echte Hautreaktion. Für normale Pflegefragen ist sie ein nützliches Beratungstool. Bei Rosacea, starker Akne, Ekzemen oder plötzlichen Hautveränderungen bleibt sie nur ein digitaler Wegweiser.