Wiener Werkstätten

Wunschobjekte - Zeitlos begehrt

Design für Generationen: In den Österreichischen Werkstätten trifft die kreative Energie der Wiener Moderne auf die Lust am Schenken. Eine Entdeckungsreise zu Künstlern, überraschenden Geschichten und schönen Dingen, die lange auf der Wunschliste bleiben dürfen.

Designs von Hoffmann sind zeitlos© Wiener Werktstätten

In manche Dinge verliebt man sich auf den ersten Blick. Eine klare Form, ein raffiniertes Muster, eine Farbe, die genau den richtigen Ton trifft. Wie lange der Entwurf schon existiert, spielt in diesem Moment keine Rolle. Beim Rundgang durch die Österreichischen Werkstätten in der Wiener Kärntner Straße begegnet einem dieses Gefühl immer wieder: Wie kann etwas von damals so zeitlos aussehen? Darin liegt die besondere Anziehungskraft der Wiener Moderne. Ihre Entwürfe wecken über Generationen hinweg die Lust, sich mit schönen Dingen zu umgeben. 

Gerade zu Weihnachten eröffnet das eine reizvolle Perspektive: Wunschobjekte zu entdecken, die auch Jahre später noch dieselbe Freude auslösen. Eine Tasse für den ersten Kaffee. Ein Seidenschal auf nackter Haut. Ein Glas, das sich beim Anheben überraschend leicht anfühlt. Schönheit beginnt hier mit einer Berührung. 

Weihnachten 1907 - Ugo Zovetti

Der Name Ugo Zovetti fällt gleich zu Beginn unseres Rundganges. Seine Designs begegnen uns auf kleinen Gebrauchsgegenständen; aktuell tragen Tassen, Tabletts und Seidenschals seinen Namen. Der überraschende Weihnachtsbezug liegt allerdings im Museum: Zovetti entwarf bereits 1907 für die Wiener Werkstätte die Postkarte Nr. 37 mit dem Gruß „Frohe Weihnachten“. Das MAK und das Wien Museum bewahren diese Exemplare auf - Kunstgeschichte im Format 14 mal 9 Zentimeter. 

Die Designs von Ugo Zovetti begegnen uns auf vielen Gebrauchsgegenständen des Alltags© Österreichische Werkstätten

Weihnachten war für diese Designer auch eine Frage guter Gebrauchsgrafik. Selbst ein kurzer Gruß verdiente einen Entwurf. Ein schöner Gedanke für eine Gegenwart, in der Festtagswünsche oft mit  einem Daumenwischen erledigt sind.

Ein Name, zwei Kapitel

Die historische Wiener Werkstätte wurde 1903 von Josef Hoffmann, Koloman Moser und Fritz Waerndorfer gegründet und 1932 aufgelöst. Die Österreichischen Werkstätten entstanden 1948 unter Mitwirkung Hoffmanns und weiterer Gestalter und Unternehmer, darunter Carl Auböck und Hans Harald Rath. Sie knüpften an die Idee an, Kunst und Handwerk in den Alltag zu holen.

Eine wenig bekannte Episode macht diesen Neubeginn besonders anschaulich: Laut Unternehmenschronik fehlte bei der ersten Ausstellung nach dem Krieg noch das Glas für die Auslagen. Man schnitt Sehschlitze in die Bretter vor dem Geschäft. Wer Schönes sehen wollte, musste durch eine Öffnung schauen. Heute lässt sich zwischen den Objekten flanieren. Doch die Frage dahinter bleibt dieselbe: Wie viel Gestaltung verdient das tägliche Leben?

Die weibliche Handschrift der Moderne

Hoffmann, Moser, Dagobert Peche: Diese Namen fallen schnell. Weniger präsent ist, wie stark Künstlerinnen das Erscheinungsbild der Wiener Werkstätte prägten. Für seine Ausstellung „Die Frauen der Wiener Werkstätte“ konnte das MAK rund 180 Künstlerinnen namhaft machen. Mathilde Flögl, Maria Likarz, Felice Rix, Lotte Frömel-Fochler und Vally Wieselthier gestalteten unter anderem Textilien, Keramik, Mode und Wohnaccessoires. Besonders in der Zwischenkriegszeit bestimmten sie den Look mit.

Seidenschal Grünfink angelehnt an angelehnt an einen Entwurf des Stoffmusters ,Grünfink' von Lotte Frömel-Fochler für die Wiener Werkstätte© Österreichische Werkstätten

Bei unserem Rundgang führt eine Spur zu Gudrun Baudisch und zur Keramik Hallstatt. Baudisch arbeitete von 1926 bis 1930 für die Wiener Werkstätte und gründete nach dem Krieg ihre eigene Werkstätte in Hallstatt. Die hier vorgestellte Hallstätter Keramik besitzt damit eine konkrete Verbindung zur Wiener Moderne. Wer solche Stücke betrachtet, sieht auch die Geschichte einer Künstlerin, die ihren eigenen Weg weiterging.

Ein Muster darf weiterleben

Im unserem Gespräch geht es um historische Vorlagen, neue Farben und die Frage, wie vertraute Formen in die Gegenwart gelangen. Zovetti-Motive erscheinen heute etwa auf Accessoires in Blau-Grün oder Koralle-Mint. Ein Seidenschal trägt die Gestaltung aus dem Archiv hinaus auf die Straße. Tassen und Tabletts bringen sie an den Frühstückstisch. Dabei lohnt die Unterscheidung zwischen einem historischen Original, einer Neuauflage und einer heutigen Interpretation. Das Sortiment versammelt unterschiedliche Entstehungsgeschichten. Gerade diese Mischung macht den Besuch interessant: Man entdeckt, wie ein Motiv auf einem anderen Material einen neuen Charakter entwickelt.

Zeitloses Design weiblicher Künstlerinen wie Felice Rix© Österreichische Werkstätten

Eine Stadt zum Anstoßen

Besonders charmant sind die handbemalten Kuppelgläser von Sindelarova. Die Michaelskuppel der Hofburg, die Secession, die Urania oder das Kunsthistorische Museum werden zu Motiven auf einem Trinkgefäß. Beim Modell „Hofburg“ erscheinen kleine ovale Fenster und goldene Girlanden. Architektur bekommt plötzlich einen Platz auf dem gedeckten Tisch. Das sind wohl Geschenkideen für Menschen, die Wien vermissen, Wien lieben oder in dieser Stadt längst nicht mehr nach oben schauen. Die Handbemalung verlangt allerdings Aufmerksamkeit: Für das Hofburg-Glas empfiehlt der Anbieter ausdrücklich Handwäsche. 

Das Alphaglas von Lobmeyr und das Urania Kuppelglas© Österreichische Werkstätten

Eine andere Entdeckung des Rundgangs wirkt beinahe schwerelos: Lobmeyrs Alpha-Becher. Hans Harald Rath entwarf die Serie 1952. Ihr feines Musselinglas wird in Holzformen mundgeblasen. Wer eines dieser Gläser anhebt, versteht unmittelbar, dass Materialqualität auch etwas mit Zurückhaltung zu tun haben kann.

Ein Kaffeehaus unter dem Christbaum

Wie zeitgemäß Tradition werden kann, zeigt das Set „Wiener Melange“ des Designstudios LUCY.D. Es bringt Augarten-Porzellan und ein Alpha-Wasserglas von Lobmeyr zusammen. Die kleine Porzellanscheibe übernimmt gleich mehrere Aufgaben: Untertasse, Deckel oder Tellerchen für eine süße Beigabe. Das eigentliche Geschenk dazu müsste man auf eine Karte schreiben: Zeit für einen Kaffee, für den man sich Zeit nimmt.. Vielleicht liegt darin die eleganteste Verbindung zwischen Design und Wohlbefinden. Ein schöner Gegenstand verändert einen Handgriff. Aus einem Handgriff kann ein Ritual werden.

Zeitloses Design© Österreichische Werkstätten

Vier Ideen mit Geschichte

Für die kleine Aufmerksamkeit: Ein Zovetti-Tablett, rechteckig, um 19,99 Euro. Mit selbst gebackenen Keksen darauf bekommt das Mitbringsel eine persönliche Fortsetzung. 

Für das tägliche Lieblingsritual: Eine Zovetti-Tasse um 19,99 Euro oder die roséfarbene Espressotasse um 24,99 Euro. Kleine Formate, die dem Morgen ein eigenes Muster geben. 

Für Menschen mit Sinn für Farbe: Ein Zovetti-Seidenschal in Blau-Grün oder Koralle-Mint, jeweils 149 Euro. Ein tragbares Stück Designgeschichte in heutiger Interpretation.

Für Wien-Liebhaber: Das handbemalte Kuppelglas „Hofburg“, online mit 159 Euro ausgewiesen. Ein Geschenk, dessen Geschichte man gleich beim Auspacken erzählen kann. 

Wir beenden unseren Rundgang beim Weihnachtsschmuck. Eine kleine Weihnachtsecke bleibt sogar im Sommer bestehen, verrät man uns. Vielleicht ist das die passende Pointe dieses Hauses: Manche Dinge verlieren ihre Bedeutung nicht, wenn die Saison vorbei ist.

Österreichische Werkstätten , Kärntner Straße 6, 1010 Wien · oew.at